Abschied vom Science Slam

Collage aus vier Science-Slam-Momenten: voller Saal im Bonner Pantheon mit Bühne und Publikum an Tischen; Slammer im Spotlight beim Auftritt (Foto: Daniel Koch); Selfie mit dem LUUPS-Team und Mitstreiter:innen; Slammer vor Tafel mit Formeln, davor das Publikum.

9 Jahre, 38 Events, über 200 Vorträge — und phantastische Menschen kennengelernt. Danke!

Der Bonner Science Slam im Januar 2020 wird voraussichtlich der letzte gewesen sein, den ich moderiert habe. Anfang Mai würde zwar der nächste stattfinden, bei dem ich auf der Bühne stehen könnte, aber ich mache die Lena. Bei weiter hohen Infektionszahlen und immer weniger Corona-Maßnahmen ist mein Gefühl: Die Zeit ist noch nicht reif.

Seit Juli 2013 habe ich insgesamt 38 Science Slams moderiert, 200 Mal Slammer:innen auf die Bühne geholt, die in nur zehn Minuten ihr Forschungsthema möglichst leicht verständlich und unterhaltsam präsentieren mussten. Und der Applaus des Publikums entschied am Ende des Abends, wer die „Goldenen Boxhandschuhe der Wissenschaft" gewann, wem Ruhm und Ehre zuteilwurde.

Wertvolle Erfahrung, schöne Erinnerungen — auch ohne vernünftigen Abschluss

Wenn mir der Veranstalter LUUPS die nächsten Termine zugerufen hat, war ich am Start. Na klaro. Aber jetzt kommt es wiederholt vor, dass ich (teilweise nur schneller als die Veranstalter:innen) doch ein paar Wochen vorher abgesagt habe, weil mich mein persönliches Empfinden, ob so viel Publikum und die aktuelle Corona-Lage zusammenpassen, zweifeln ließ. Doch ich will nicht unzuverlässig erscheinen. Daher wird sich ein:e andere:r freuen, die Termine zu blocken und der Wissenschaft eine Bühne zu geben.

Ich habe das Moderieren immer nur zum Spaß gemacht. Das kann nicht jede:r in der Kulturbranche sagen, daher habe ich volles Verständnis, dass Künstler:innen & Co. versuchen, Veranstaltungen auch unter diesen Bedingungen sicher zu planen und durchzuführen.

Für mich war es eine unglaublich wertvolle Erfahrung, die einen vernünftigen Abschluss verdient hätte. Doch auf Standby zu sein, um doch irgendwann zumindest ein letztes Mal einen Slam zu moderieren, sozusagen zum Finale – das erscheint mir dann nach so langer Pause nicht richtig zu sein. In über zwei Jahren Corona hat sich bei mir so viel verändert, dass ich froh bin über diese schönen Erinnerungen, anstatt Gefahr zu laufen, eingerostet einen für mein Gefühl miesen letzten Slam hinzulegen, mit dem ich eventuell nicht ganz zufrieden wäre.

Phantastische Menschen auf und hinter der Bühne

Ich habe unglaublich interessante, schlaue, sympathische Menschen kennengelernt. Juli Tkotz, Rufina Fingerhut, Mai Thi Nguyen-Kim, Franca Parianen, Jutta Teuwsen, Elisabeth Mettke, Janina Otto, Carrie Ankerstein, Constantin Wurthmann, Johannes von Borstel, Sebastian Lotzkat, Dong-Seon Chang, Darius Rupalla, Johannes Schildgen, Peter Westerhoff, Reinhard Remfort, Kai Jäger, Johannes Kretzschmar, Aniruddha Dutta und viele viele mehr.

Alles renommierte Wissenschaftler:innen, erfolgreiche Podcaster:innen, Deutsche Science-Slam-Meister:innen, die Bücher geschrieben haben, TV-Sendungen moderieren, zu denen es Wikipedia-Einträge gibt. Und ich Dödel dazwischen. Es war mir eine Ehre, mit ihnen die Bühne geteilt zu haben.

Danke auch an das LUUPS-Team hinter der Bühne: Sveda, Julia, Karsten, Sebastian, Nils, Leo, Ronja, Rebecca und alle anderen. Danke für die großartige Organisation und den noch großartigeren Quatsch im Backstage. Das war locker eine 12 von 10 auf der Applaus-Skala.

Die Locations

Hätte ich vorher auch nicht gedacht, dass ich beispielsweise mal auf der Kleinkunstbühne des Bonner Pantheon stehen werde – und die Location mit insgesamt 18 Abenden sowas wie mein Science-Slam-Wohnzimmer wurde. Geslamt wurde auch in coolen Läden wie dem Club Bahnhof Ehrenfeld in Köln oder dem Franz in Aachen, in Hörsälen in Bonn und Bochum, es gab Auftritte beim „Bochum Total"-Festival, in Museen wie der DASA in Dortmund oder der Bonner Bundeskunsthalle, bei der ExtraSchicht in der Jahrhunderthalle Bochum oder vor fünf Leuten im KulturCafé des AStA Bochum.

Eins von vielen Highlights: TV-Aufzeichnung für VOX

Eine besondere Erinnerung wird eine Pilotaufzeichnung für VOX bleiben, die ich 2015 moderieren durfte. Eine Mischung aus „Let's Dance" und Science Slam, mit Jury und prominenten Slammer:innen. Eine Idee, die entstand, als ich im Volontariat Station in der VOX-Redaktion gemacht habe und die Kolleg:innen dort Feuer und Flamme für den Science Slam waren – und ihn als Inspiration für eine Showidee sahen.

Lampenfieber war bei jedem Slam dabei, aber besonders ging mir die Pumpe als sich der damalige VOX-Chefredakteur zum nächsten Slam als Gast ankündigte. Und vor Kameras mit Regie im Ohr war's dann auch noch mal etwas anderes als bloß vor Publikum im Saal. Aus der Showidee wurde zwar nichts, es lag aber angeblich nicht an mir. Ich will das mal glauben, zumindest ließ VOX mich danach sogar durch Pressekonferenzen moderieren. 😉

Der Anfang von allem

Alles nur, weil ich 2013 meine Bachelor-Arbeit zum Thema geschrieben habe: "Technikkommunikation in populärkulturellen Referaten. Eine Untersuchung zum Unterhaltungswert und zur wissenschaftlichen Informationsvermittlung in Science Slam Kurzvorträgen". Sperriger Titel mit einem Kolloquium im Science-Slam-Style.

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Mach's gut, Science Slam! Bis bald – dann als Gast vor der Bühne.

Niklas